Liebe Leser:innen
Die vergangene Woche war turbulent: Der Konflikt zwischen Anthropic und dem US-Pentagon eskalierte auf eine Weise, die weit über Washington hinaus Relevanz hat. Gleichzeitig rückt ein konkretes EU-Datum näher, das Unternehmen jetzt auf dem Radar haben sollten. Drei Entwicklungen mit direkter Bedeutung für Schweizer Unternehmen, die KI einsetzen oder planen, es zu tun.
Wenn ethische Grenzen auf politischen Druck treffen
Anthropic hat dem US-Verteidigungsministerium den uneingeschränkten Zugang zu seiner KI Claude verweigert. Der Kern des Streits: Das Pentagon wollte vertraglich alle "gesetzlich zulässigen Nutzungen" sicherstellen - explizit einschliesslich autonomer Waffen und der Massenüberwachung von US-Bürgern. Anthropic-CEO Dario Amodei lehnte trotz Frist des Verteidigungsministers ab. Trumps Reaktion: Ein Bannbefehl für alle Bundesbehörden, Anthropic innerhalb von sechs Monaten auszuphaben. Am 4. März bestätigte das Pentagon offiziell, dass Anthropic ein "Supply Chain Risk" sei - eine Bezeichnung, die bisher ausschliesslich für ausländische Gegner wie China verwendet wurde. OpenAI übernahm den Vertrag wenige Stunden später.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Diese Geschichte stellt Fragen, die jedes Unternehmen früher oder später beantworten muss: Was passiert, wenn Ihr KI-Anbieter seine Bedingungen ändert oder plötzlich nicht mehr verfügbar ist? Haben Sie eigene Leitplanken für den KI-Einsatz - oder verlassen Sie sich darauf, dass der Anbieter das schon richtig macht? Wie stark sind Ihre Prozesse von einem einzigen Tool abhängig? Das sind keine Spezialfragen für Grosskonzerne. Sie betreffen jedes Unternehmen, das KI produktiv nutzt. Bringen Sie diese Fragen ans nächste Leitungstreffen.
EU AI Act: Der August-Termin läuft
Die EU-Kommission veröffentlicht Mitte März den zweiten Entwurf ihres Verhaltenskodex zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten - die finale Version ist für Juni geplant. Ab 2. August 2026 werden die Transparenzpflichten verbindlich: KI-generierte Texte, Bilder und Videos müssen maschinenlesbar markiert sein. Wer als Unternehmen KI-generierte Inhalte zu öffentlichen Themen professionell veröffentlicht oder Deepfakes einsetzt, muss diese explizit ausweisen.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Sechs Monate klingen nach viel Zeit - sind es aber nicht. Die relevante Frage ist nicht, ob Transparenzpflichten kommen, sondern ob Sie bis August wissen, wo in Ihrer Kommunikation KI-generierte Inhalte im Einsatz sind und wie Sie diese kennzeichnen. Das beginnt intern: Wer ist in Ihrem Unternehmen verantwortlich für den KI-Einsatz in Marketing und Kommunikation? Gibt es dafür klare Regeln? Wenn die Antwort "noch nicht" ist, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, damit zu beginnen.
Kurz notiert
USA - regulatorischer Flickenteppich: Die Trump-Administration versucht, Staatsgesetze zu KI durch eine Executive Order zu unterlaufen. Rechtsexperten bezweifeln, dass das reicht - die Staatsgesetze bleiben vorerst in Kraft. Florida verabschiedete diese Woche ein "AI Bill of Rights" (35 zu 2 im Senat), Vermont ein Deepfake-Gesetz. Relevant für alle, die US-basierte KI-Anbieter oder Partner nutzen. ([King & Spalding](https://www.kslaw.com/news-and-insights/new-state-ai-laws-are-effective-on-january-1-2026-but-a-new-executive-order-signals-disruption))
Schweiz - Konvention unterzeichnet: Die Schweiz hat die KI-Konvention des Europarats unterzeichnet und muss bis Ende 2026 Gesetzgebungsvorschläge vorlegen. Schwerpunkte: Transparenz, Diskriminierungsschutz und Aufsicht. Der sektoral ausgerichtete Schweizer Ansatz bleibt. ([SWI Swissinfo](https://www.swissinfo.ch/ger/schweizer-ki/k%C3%BCnstliche-intelligenz-in-der-schweiz-was-wir-2026-erwarten-k%C3%B6nnen/90710180))
UNO - neues Expertengremium: Am 3. März konstituierte sich das neue unabhängige wissenschaftliche Expertengremium der UNO zu KI. 40 Fachleute sollen Ländern und Regierungen eine unabhängige Wissensgrundlage zu KI-Auswirkungen liefern - ein Signal, dass der globale Governance-Diskurs strukturiert wird. ([UN News](https://news.un.org/en/story/2026/03/1167074))
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Pascal Beck & Marco von Euw
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